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Geschrieben von: Reptor   
Sonntag, 03. Februar 2008 11:20

In jeder Gesellschaft gibt es allgemeine Richtlinien für ein sorgenfreies Leben in Wohlstand und Sicherheit. Einen, wenn nicht sogar den Schlüssel, muss man in Geld und in Bildung sehen. Geld und der Weg dorthin sind wohl die Triebfedern die Alles in Gang halten."Bildung und Forschung als Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit eines Landes" ist die Parole. Schon im Kindesalter wird einem eingetrichtert, "Lern etwas, dann gehts dir später einmal gut" .

Auch Franz K. wurde immer wieder mit dem vermeintlichen Schlüssel zu Erfolg konditioniert. "Von nichts, kommt nichts" waren die Aufmunterungen seines Vaters, um seine Schulmühen zu lindern, weiß er zu erzählen. Zuversichtlich hat sich Franz K. also für eine fünfjährige, berufsbildende Schule entschieden, denn nicht Wissen im allgemeinen zähle, sondern natürlich nur das richtige Wissen. In Ordnung, fünf Jahre also in einer technischen (denn Technik ist schwierig und kann nicht jeder) Lehranstalt durchbeißen, dann stehen dir alle Türen offen, machte sich Franz K. Mut. Damit verbunden waren allerdings fünf finanziell schwierige Jahre. Die ersten Zweifel, doch besser eine Lehre mit einem Einkommen beginnen? Nein, das holt man später leicht auf, haben ihn die Leute immer wieder gesagt. Klingt logisch, die Mühe und Zeit sollen ja auch belohnt werden. Mit neunzehn endlich fertig! Zwar bisher noch kein Geld verdient, aber jetzt kann es losgehen habe er sich gefreut. Nicht ganz, ab zur Bundeswehr. Nein, mit Waffen hatte er es noch nie. Fanz K. wollte seinen Präsenzdienst lieber als Zivildiener ableisten. Damals war die Dauer noch ein Jahr. Viel habe er gelernt als Sanitäter, aber auch viel Schrechkliches gesehen und das um einen Hungerlohn. Der zwanzigste Geburtstag. Jetzt könnte das richtige Leben beginnen. Arbeit oder Studium? Akademiker haben es am besten weiß man, sie verdienen gut und sind angesehen. Demzufolge kann ein Studium nie schaden und das Interesse wurde im Laufe der Vorbildung ja auch geweckt. Warum also nicht. Am 1. Oktober des selben Jahres, hat sich Franz K. an einer technischen Universität eingeschrieben, Studienrichtung Physik. Wenn schon, denn schon, habe er sich gedacht und von Philosophie kann man später ja nur schwer leben. Die Durchschnittstudienzeit beträgt allerdings länger als man Studienbeihilfe bekommt und um die volle Beihilfe zu bekommen, müssen spezielle Kriterien erfüllt sein. Bedürftig, arm müsse man sein.(Zum Glück) das volle Stipendium wurde zuerkannt, freute sich Franz K. Es handelt sich dabei so um die 700 Euro, nicht schlecht, viel mehr als er bisher hatte. In der Zeitung hatte er damals gelesen, dass ein monatliches Einkommen von knapp über 700 Euro als Armutsgrenze gelte. Erneut wieder die Zweifel. Nicht gerade ein Anreiz die nächsten Jahre eher bescheiden zu leben. Nun ja, die Aussichten danach stellte sich Franz K. gut vor, so auch der allgemeine Tenor und irgendwer muss sich ja auch mit komplexen Dingen beschäftigen, sprach er sich zu, um so auch noch das Ego zufrieden zu stellen.
Das Physikstudium stellte sich allerdings als eine harte Nuss heraus, unzählige Mitternachtslernsessions. Das Ringen mit den Gleichungen nicht immer ein Honig schlecken, manchmal aber doch auch interessant. Nach sieben Jahren, endlich der Abschluss, Fanz K. dürfe sich nun offiziell Dipl. Ing. vor den Namen setzen. Ein hartes Stück Arbeit hinter ihm. Wie soll es nun weitergehen waren die natürlichen Fragen Franz K's. Mittlerweile war auch das 27. Lebensjahr erreicht. Bisher hatte sich die Mühe finanziell noch nicht gerechnet, kein Euro in der Tasche, wenn nicht noch Schulden aus den letzten eineinhalb Studienjahren, in denen er keine Beihilfe mehr bekommen hatte. Jeder ehemalige Hauptschulkollege, der eine Lehre begonnen hatte könnte ihn belächeln. Tatsächlich lachten sie aber nicht, es sind andere Dinge, die man hörte, wenn man selten, aber doch manchmal nach Hause kam. "Ihr Studierten, ihr nützt ja nur die Arbeiter aus, wisst ja gar nicht was sparen heißt" waren noch die freundlichsten Dinge an die sich K. noch genau erinnern kann. Manche Menschen wissen es nicht besser, tröstete er sich damals.
Was aber sollte er als nächstes tun? In die Privatwirtschaft oder eine akademische Karriere einschlagen? " Wissenschaftler braucht das Land, Forschung und Innovation ist die Zukunftsfrage einer Industrienation" hört und liest man. Auch das klingt logisch und im Laufe der Zeit konnte sich Franz K. auch richtig für Wissenschaft begeistern. Sehr gerne würde er diesen Weg einschlagen. Was hat es also auf sich mit einem Doktoratsstudium? Wie lange dauert es? Drei Jahre solle es dauern, dann hätte man es geschafft. Erneut die finanzielle Frage. Verdient man etwas und wieviel? In naturwissenschaftlichen Doktoratsstudien sei es glücklicher Weise üblich, bezahlt zu werden, im Gegensatz zu Zweigen der Geisteswissenschaft. Abhängig davon, auf welches Institut man gehe, sei auch die Bezahlung. Franz K. erkundigte sich bei einzelnen Kollegen, allesamt Diplomingenieure, die bereits ein Doktoratsstudium begonnen hatten. Im Schnitt wären es 1200 Euro Netto, die man bekäme. Nach drei Jahren (im besten Fall) wäre Franz K. bereits über 30. Bekannte aus der Grundschulzeit hatten zum Teil bereits ein Haus und zwei Kinder. Die Vor- und Nachteile abwägen, dann werde er sich entscheiden.

Heute ist Franz K. in der Privatwirtschaft tätig. Gerne hätte K. in der Forschung gearbeitet, doch als er, nach eigenen Angaben zufolge, die Jahre, quasi an der Armutsgrenze lebend, zusammengezählt hatte, schien es ihm vernünftiger seinen Wunsch an den Nagel zu hängen.
"Bildung und Forschung als Schlüssel für die Zukunftsfähigkeit eines Landes" - ist die Parole.

Aktualisiert ( Mittwoch, 06. Februar 2008 09:17 )